Biosecurity: Sind Sie vorbereitet?

4/17/2018

Vor dem Hintergrund der sich in Osteuropa weiter ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest möchten wir Sie heute fragen, ob Sie sich aller notwendigen Maßnahmen zur gesundheitlichen Absicherung Ihres Betriebes bewusst sind, oder ob Sie vielleicht noch etwas Neues erfahren können im Hinblick auf den Schutz Ihres eigenen Betriebes, aber auch im Hinblick auf die gesamte Branche.
Sind die folgenden Aussagen jeweils WAHR oder FALSCH?


WAHR oder FALSCH: Biosecurity ist langweilig und statisch.
FALSCH, denn Biosecurity ist sehr spannend und einer laufenden Dynamik ausgesetzt. Neue Forschungsergebnisse und technologische Entwicklungen bringen das Gebiet der Biosecurity ständig voran. 
Zum Beispiel wird im Schweine- und Geflügel-Sektor in einigen Ländern bereits sogenannte Online-Geo-Fencing-Technologie eingesetzt. Derartige Technologie bietet eine sichere Möglichkeit zur sofortigen Analyse von Daten über Betriebsbesuche, sodass gegebenenfalls die richtigen Farmen sofort isoliert werden können. Gleichzeitig hilft derartige Technik Landwirten, den nächsten Schritt in Sachen Monitoring und Maßnahmen zur Biosicherheit umzusetzen, um zu verhindern, dass ein Ausbruch zu einer potenziellen Katastrophe wird.
Ein weiteres Beispiel: In Kanada werden Biolumineszenz-Bakterien verwendet, um zu zeigen, wie sich Krankheitserreger in einem Stall verbreiten, wenn Maßnahmen zur Biosicherheit nicht adäquat und konsequent umgesetzt werden.
Und schließlich wird in Frankreich der Einsatz von vorgefertigten Eingangsschleusen für Schweineställe untersucht, um die Einhaltung der Biosicherheit zu verbessern.

WAHR oder FALSCH: Die Biosecurity Ihres Betriebes ist laufenden Gefahren ausgesetzt.
WAHR, denn: "Es gibt eine Vielzahl von Wegen für Mikroorganismen in Ihren Stall zu gelangen - und das jeden Tag," sagt Dr. Tim Snider, Direktor PIC Health Assurance Europa. Die Wahrscheinlichkeit, ob sich dies negativ auf Ihren Tierbestand auswirkt, hängt davon ab, wie groß der Eintrag ist, wie gut diese Krankheitserreger überleben können (abhängig von der Art der Mikroorganismen und den Bedingungen, unter denen sie unbemerkt weiter getragen werden) und letztendlich vom Niveau und der Güte Ihrer Maßnahmen in Sachen Biosecurity für Ihren Betrieb.
Nachdem in Georgien 2007 das ASP-Virus das erste Mal entdeckt wurde, hat es sich in ganz Mittel- und Osteuropa verbreitet. ASP ist aktuell die als stärkste Bedrohung wahrgenommene Schweinekrankheit, doch gibt es eine Vielzahl weiterer Infektionskrankheiten, die einen signifikanten Schaden für die Schweineproduktion verursachen.

WAHR oder FALSCH: Biosecurity-Maßnahmen funktionieren.
WAHR, allerdings mit zwei Einschränkungen, denn: "Viele wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass die Umsetzung spezifischer Maßnahmen zur Biosecurity die Wahrscheinlichkeit der Übertragung von Krankheiten wie PRRS, Influenza oder PED verringert. Diese Maßnahmen müssen allerdings allen Beteiligten sozusagen 'in Fleisch und Blut übergehen', was nicht immer einfach ist in den heutigen meist komplexen Produktionssystemen," ergänzt Snider. Noch ist ein "neues Normal" in der Branche nicht vollständig etabliert. Darüber hinaus ist in jedem landwirtschaftlichen Betrieb das konsequente Engagement aller Beteiligten (Eigentümer, Betriebsleiter und Mitarbeiter) erforderlich, um quasi eine "Biosecurity-Kultur" zu schaffen, die alle Aspekte der Produktion umfasst, von der Planung einer Anlage über den Tierverkehr bis hin zum Regelung des Betriebszugangs und der Be-/Entladung von Transportfahrzeugen.

WAHR oder FALSCH: Sie haben einen Biosecurity-Plan, aber es gibt noch Verbesserungspotential
SEHR WAHRSCHEINLICH WAHR, denn: Sehen wir uns Ihren Betrieb einmal genauer an. Dr. Snider stellt fest, dass die richtige Umsetzung von Biosicherheit die Integration von vier Hauptkomponenten umfasst:
Risikobewertung: Betreiben Sie eine systematische und laufende Prüfung auf mögliche Eintrittspforten für Krankheitserreger? Überwachen Sie Routineprozesse, um sicherzustellen, dass sie ordnungsgemäß ausgeführt werden? Tätigen Sie notwendige Investitionen zur Erhaltung der Anlagen? Haben Sie ein Schulungs- und Auffrischungsprogramm für Ihre Mitarbeiter etabliert?
Grundsätze und Richtlinien: Verstehen Ihre Mitarbeiter, dass Ihr Programm zur Biosecurity wissenschaftlich fundiert ist? Stellen Sie sicher, dass die Vorgaben praktikabel und leicht verständlich sind?
Schulung: Fördern Sie ständig Engagement und Verantwortlichkeit aller Mitarbeiter Ihres Betriebes durch rechtzeitige und geeignete Schulungen und Auffrischungen? Einige Betriebe haben in jedem Betrieb bzw. in jeder Produktionskette einen "Biosecurity Verantwortlichen" eingerichtet, der Informationen weiter gibt und die Teams motiviert.
Infrastruktur: Sind alle Geräte und Einrichtungen (Anhänger, Laderampen) oder Hilfsmittel, die zur Minderung von Risikofaktoren (Luftfilter, TADD-Systeme) beitragen können, verfügbar, um Krankheitsvorbeugung zu leisten? Ohne die angemessene Umsetzung der zuvor beschriebenen drei Komponenten sind Investitionen in die Infrastruktur nur Geldverschwendung.

WAHR oder FALSCH: Sie haben Absicherungen nicht ausreichend in Ihren Biosicherheitsplan integriert.
WAHRSCHEINLICH WAHR, denn: Der Erfolg eines Biosecurity-Programms hängt davon ab, dass jeder zu jeder Zeit die richtigen Entscheidungen trifft. Daher müssen Absicherungen in die Prozesse integriert werden, um Fehler zu minimieren.
Einige Beispiele:
Die Unterteilung einer Transportflotte (nach Gesundheitsstatus oder Lieferzielen) ist die effektivste Strategie zur Minimierung von Risiken durch den Transport von Schweinen. Dennoch ist es wichtig, alle Fahrzeuge zu waschen, zu desinfizieren, trocken zu lassen, zu kontrollieren und schließlich Tiere unter der Annahme zu laden, dass das Fahrzeug Krankheitserreger trägt, also "schmutzig" ist. Am besten Sie etablieren einen Übergangsladeprozess, der die Trennung zwischen den ‚sauberen‘ und ‚schmutzigen‘ innerbetrieblichen Verkehrswegen berücksichtigt.
Noch ein weiteres Beispiel betrifft die Regelung des Zugangs zum Betrieb. Auch dieser sollte nach einem "mehrschichtigen" Prinzip ablaufen. Dabei besteht die erste Ebene darin, den Personenverkehr auf die wesentlichen Besucher zu beschränken und für diese Regelungen zur "Schweinefreiheit" aufzustellen. Auf den folgenden Sicherheitsstufen wird dann sichergestellt, dass Besucher Einweg-Überziehstiefel zwischen ihren Fahrzeugen und dem Betriebseingang tragen, eine physikalische Trennung zwischen "schmutzigem" und "sauberem" Bereich erfolgt, und Besucher wie Mitarbeiter vollständig duschen, bevor sie den Betrieb betreten.

Wie auch immer Ihre Punktzahl in diesem "Quiz" ist, bedenken Sie Folgendes …
"Der Wettbewerb in der Schweineproduktion, der gesellschaftliche Druck bezüglich Tierwohl und Antibiotika-Reduzierung zusammen mit der Größe, Integration und Verkettung der heutigen Betriebe werden die Notwendigkeit gesünderer Schweinen weiter erhöhen", ergänzt Dr. Snider. "Krankheitsprävention wird in der strategischen Planung von Produktionssystemen weiter an Bedeutung gewinnen. Und obwohl das Wissen und die Technologie vorhanden sind, ist der Schlüssel zum Erfolg letztendlich die tägliche Durchführung der Maßnahmen: Risikobewertung, Grundsätze und Richtlinien, Schulung sowie Infrastruktur. Eine konsistente Implementierung hängt von der Schaffung einer Kultur für Biosecurity ab, die auf einem logischen Plan, proaktiven Betriebsleitern, engagierten Mitarbeitern und rechtzeitigen Anpassungen basiert."


>>> Zurück zur Übersicht